Profiling – ein Erfahrungsbericht

In Sicherheitsdebatten waren wir Deutschen schon immer nervös und leicht zu provozieren. Das ist auch gut so, denn nicht alles was die Innenminister vorschlagen ist richtig und entspricht der Auffassung von Verhältnismäßigkeit. Siehe Vorratsdatenspeicherung oder Zugangserschwerungsgesetz. Aber auch die Nacktscanner auch euphemistisch „Body-scanner“ genannt, erinnern uns immer wieder, welche Blüten das Verlangen nach Sicherheit in uns treibt.

Jetzt wurde vorgeschlagen ein sogenanntes Profiling an Flughäfen durchzuführen. In Israel ist dies Standard. Jeder muss sich einer „Befragung“ unterziehen und bekommt eine Nummer zwischen eins und fünf. Eins ist ungefährlich, zwei und drei auch noch. Wer die vier bekommt wird etwas genauer überprüft und wer die fünf hat wird speziell zum Check in begleitet.

Die Nachrichten der letzten Tage sagten, dass die Fluggäste nach bestimmten Kategorien eingeteilt werden. Je nachdem wieviele Informationen vorliegen und welcher Religionszugehörigkeit der Fluggast angehört. Von Nervenzusammenbrüchen der Fluggäste, die befragt wurden, wurde berichtet und wie schrecklich das ganze sei. Quellen oder Gründe warum das so sei, wurden freilich nie genannt.

Ich selber war vor zwei Monaten in Israel. Ich bin von München aus nach Tel Aviv zum Flughafen Ben Gurion geflogen und von dort auch wieder zurück. Ich habe das Profiling hautnah erlebt und weiss wie es abläuft.

Sicherheitskontrolle München

Der Flughafen München hat ein extra Terminal für Abflüge nach Israel eingerichtet. Man muss sehr lange zu Fuß dorthin laufen und findet das unbeleuchtete Terminal kaum. Drinnen empfängt einen der härteste Sicherheitscheck den ich je in meinem Leben gesehen habe.

Es war nicht nur der härteste, sondern auch der unangenehmste Sicherheitscheck. Pass vorzeigen gehört noch zum normalen Standard. Etwas Small-Talk mit dem Beamten auch. Das Gepäck wird durchleuchtet, und man selber auch. Das Gepäck wird systematisch durchsucht, alle Flüssigkeiten über der magischen Grenze von 10 ml werden entsorgt. Die Schuhe müssen ausgezogen werden. Lässt die Hose mit den Nieten, den Metalldetektor Piepen wird man abgetastet und durchsucht. Meinen die Polizei irgendetwas verdächtiges in der Tasche gefunden zu haben, zum Beispiel einen Zirkel, wird die Tasche teilweise ausgepackt. Meine Kamera wurde auf die Funktionstüchtigkeit kontrolliert und es wurden Bilder angeguckt. Glücklicherweise hatte ich keine Bilder gespeichert und Die Speicherkarte vorher frei gemacht. Nach dem intensivsten Sicherheitscheck wird man persönlich von Sicherheitsbeamten zu einem Bus begleitet, der einen zum Flieger bringt. Der Flieger selbst startet mit knapp einer Stunde Verspätung.

Ich habe den Sicherheitscheck persönlich als sehr unangenehm empfunden und hatte Angst. ich bekam auf mein Gepäck eine Individuelle Nummer, damit ich immer identifizierbar sei. Diese Nummer wurde eingescannt und ich weiss nicht, was mit den Daten passiert. Wo sie gespeichert werden. Wann sie gelöscht werden. Wofür sie verwendet werden.

Sicherheitskontrolle Tel Aviv – Ben Gurion

Ich bin damals in einer Gruppe aus gleichaltrigen jungen Leuten geflogen. Wir hatten alle Deutsche Pässe und wussten über das Profiling an israelischen Flughäfen bescheid. So sollte man sich zwei Stunden vor Abflug einfinden. Man wartet sehr lange in einer Schlange. Jeder wird einzeln befragt. Pässe müssen bereit gehalten werden.

Im Gegensatz zu dem, was in den Medien immer unterschwellig unterstellt wurde, wird man nicht nach Religionszugehörigkeit gefragt. Mir wurden drei Fragen gestellt.

  1. Wie lange ich schon in Israel gewesen sei?

Diese Frage hätte durch einen einfachen Blick in den Pass kontrolliert werden können: Durch den Stempel bei der Einreise.

2. Haben Sie bei jemand anderem Übernachtet

Ja habe ich, ich habe erklärt wo und wann. Namen musste ich nicht nennen. Ich musste auch keine Adresse oder andere Aspekte nennen.

3. Haben Sie ihre Tasche alleine gepackt? Sind irgendwelche Geschenke von der Gastfamilie in der Tasche?

Ich hatte die Tasche komplett alleine gepackt und bis auf ein wenig Nahrung keine weiteren Geschenke oder Dinge von meiner Gastfamilie erhalten. Das Essen hatte ich in meinem Handgepäck. Die Profilerinn, es sind ausschliesslich Frauen die uns befragten, bedankte sich bei mir für meine Mitarbeit machte ein paar Kreuze auf einem Fragebogen und klebte mir schliesslich einen Aufkleber auf den Pass, mit der Nummer 3. Ich war also nicht gefährlich, sollte aber trotzdem gründlich durchgecheckt werden. Das mit dem gründlich ist dann allerdings so eine Sache. Ich hatte nach München die Befürchtung, dass der Sicherheitscheck noch intensiver abläuft. Es handelt sich schliesslich um Israel.

In Israel wird auch das Gepäck das aufgegeben werden soll durchleuchtet. Wird darin irgendetwas gefunden, trägt man es selber (!) zu einer weiteren Kontrollstelle, wo ein Beamter gezielt in die Tasche greift und diese durchsucht. Ausgepackt wird nichts. Nicht einmal die Zahnpastatube. Ich wurde lediglich gefragt woher ich die Tuben habe, woraufhin ich antwortete „I brought them here“ (Ich habe die mitgebracht). Eine Nachfrage sollte mich wohl noch einmal testen „You brought them here or you bought them here?“ „I brought them here“ und schon war die Sache in trockenen Tüchern.

Ich ging nun zum Check in und gab mein Gepäck auf. Neben mir wurde ein Mann persönlich zum Check Inn geführt. Er sah aus wie der qliche Terrorist, mit Bart, groß und kräftig. Er hatte die Nummer fünf, wurde aber nicht bloßgestellt oder unfreundlich behandelt.

Der Sicherheitscheck beim Terminal war ebenfalls harmlos. Wir wurden normal durchleuchtet und ich konnte sogar meine 2 Liter Wasser Flasche (gefüllt) mit in den Flieger nehmen. Ich wurde ja vorher befragt und für ungefährlich befunden.

Ich selber empfand die Sicherheitskontrolle in Israel und das Profiling als wesentlich harmloser, als in Deutschland. Vielleicht hat das auch an den Sicherheitsbeamten gelegen, die sich immer nett bedankt haben und mir einen guten Flug wünschten. Vielleicht lag das auch an dem unkomplizierten Verfahren des Profilings. Letztlich wurden mir keine intimen oder unangenehmen Fragen gestellt. Die Profiler achteten nur auf meine Körperreaktionen. Ob Ich lüge, nervös bin oder mich verstelle. Der Mensch kann nicht Lügen, nicht einmal Schauspieler. Die Profiler sind darauf trainiert Lügner zu erkennen. Wenn man gut durchkommen will, muss man kooperieren und die Wahrheit sagen. Zumindest war für mich das Verfahren wesentlich angenehmer. Es wurde nicht mein Name notiert, es wurde nichts in ein EDV System eingegeben, wie das in München der Fall war und es wurde nicht in Kategorien eingeteilt, die diskriminieren. Ich wurde nie nach Religionszugehörigkeit gefragt und auch niemand anderes. Im Gegenteil: Die Muslimin (nicht praktizierend) in unserer Gruppe kam am leichtesten durch und bekam sogar  die Nummer 2.

Achja und die 2 Liter Wasser Flasche, die ich in Israel noch problemlos mit in das Flugzeug nehmen konnte, musste ich in München beim Sicherheitscheck abgeben. Wer ist hier also paranoid?

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